Geschichte Weidenhausen

Weidenhausen war über Jahrhunderte hinweg der einzige Zugang über die Lahn nach Marburg. Zum ersten Mal wurde es 1235 urkundlich erwähnt und diente damals schon also Brücken- und Zollvorort. Circa im Jahr 1200 wurde die erste steinerne Lahnbrücke an dieser Stelle errichtet und diente fortan als Nadelöhr für die Waren der umliegenden Dörfer.

Marburger Schloss am Abend

Zusätzlich hatte Weidenhausen einen eigenen Markt. Fast alle westlich Reisenden deckten sich ein letztes Mal mit Waren in Weidenhausen ein. In der ersten Marburger Handwerksliste waren in Weidenhausen 24 Lohgerber verzeichnet. Lohgerberei ist ein Rinderhaut verarbeitentes Gewerbe, welches vor allem dickes Leder herstellt (zB für Stiefel und Sättel), das besonders widerstandfähig gegen Wasser ist. Bei der Verarbeitung bedarf es großer Wassermengen, so dass Weidenhausen beste Voraussetzungen für diesen Berufszweig bot. Damit war es neben dem Zentrum Marburgs der bedeutenste Handelsort und behielt diese Vormachtsstellung bis in die 1850er inne. (1850 Eröffnung der Kassel-Marburg-Bahn, 1852 zusätzliche Erweiterung bis Frankfurt) Erst der Bau der Eisenbahn und weiterer Lahnbrücken konnte die immense Bedeutung Weidenhauses brechen. Von dem einstigen geschäftigen Treiben und Reichtum zeugen auch heute noch die erhaltenen prächtigen Fachwerkhäuser in der Weidenhäuser Straße und dem Erlengraben.

Hoffmanns Lieschen

Gedenktafel Hoffmanns Lieschen

Der Erlengraben ist eines der letzten Zeugnisse der damaligen Kultivierungsversuche des Weidenhäusener Umlands, welches ursprünglich sehr sumpfig war. Mittels Flutgräben und Aufschüttung versuchte man das Land urbar zu machen. Kurz nach 1800 schlossen sich mehrere Weidenhäuser zur Grabengemeinschaft zusammen, welche die Pflege und Nutzung der Gräben verwaltete. Im Streit mit der Stadt um das erschlossene Land wandten sich die Weidenhäuser 1812 an den damaligen Könige Jerome Bonaparte, der ihnen das Land in Erbpacht überließ. Das Land wurde schließlich 1939 an die Stadt verkauft, wobei die Grabengesellschaft auch heute noch existiert und alle 5 Jahre ihr berühmtes Grabenfest feiert.

Die Weidenhäuser Legende erzählt, dass Bonaparte sich eigentlich gar nicht durch die Argumente der Weidenhäuser überzeugen ließ, sondern viel mehr von einer der Mitreisenden. Es handelte sich um Hoffmanns Lieschen und diese junge Dame war damals zarte 19 Jahre alt. Wie es nun einmal ist, der König ist beschäftigt, dem Mädchen wird bei der ganzen Warterei langweilig und so streunt sie im Schloß herum. Dort trifft sich des Königs Orchester bei einer Probe und tanzt ganz selbstvergessen zur Musik. Ausgerechnet das sieht der König und ist total verzückt von dem jungen Ding. Und zack, schon haben die Weidenhäuser ihre Nutzungsrechte in der Tasche.

Leider ist die Geschichte von Hoffmanns Lieschen nicht zu belegen, auch wenn sie jeder Weidenhäuser gern erzählt. Verbrieft ist nur, dass Jerome Bonaparte in der Weidenhäuser Straße 101 abzusteigen pflegte, wenn er in Marburg verweilte. Dies kann man auch heute noch in der Hauschronik nachlesen.

Weidenhäuser Brücke

Weidenhäuser Brücke mit alter Uni Marburg

Die Weidehäuser Brücke wurde 1250 erstmals in einer Urkunde Sophie von Brabants erwähnt und war im Mittelalter die einzige Brücke über die Lahn in Richtung Marburg. Am 10. Januar 1552 stürtzte sie in Folge eines Hochwassers ein und 24 Menschen kamen ums Leben. Ebenso brachen auch zwei weitere Brücken in Weidenhausen zusammen. Eins davon war das "kleine Brückchen", an welches noch auch noch heute eine nach ihr benannte Gasse (kurzes Brückchen) erinnert. Die weitere Brücke, war die etwas weiter hinten gelegene "Ortenbenbergbrücke", welche schon im damaligen Ort Zahlbach lag. 1556 war der Wiederaufbau der Weidenhäuser Brücke durch Maurermeister Heinrich Krafft für 5.000 Gulden abgeschlossen. Am 31. Dezember 1763 gaben die mittleren zwei Pfeiler der Brücke unter einem enormen Hochwasser nach und die Brücke stürzte erneut ein. 1766 baute man über die Reste eine Holzkonstruktion, die erst 1892 durch die heutige steinerne Brücke ersetzt wurde.

Pilgerherberge und Hospital St. Jakob

Die Stadtpatronin St. Elisabeth widmete ihr Leben in Marburg den Armen und Bedürftigen. Sie war unter anderem die Gründerin des Hospitals Franziskus und wurde aufgrund ihrer Aufopferung schon 4 Jahre nach nach ihrem Tod heilig gesprochen. Durch die Heiligsprechung stieg Marburg zu einem der bekanntesten Wallfahrtsorte in Deutschland auf und verzeichnete ein enormes Pilgeraufkommen. Die unzähligen Besucher mussten untergebracht werden und so entstand das Spital zu Wiedenhusen, welches später ins Spital St. Jakob umbenannt wurde. Auch heute steht das Gebäude noch (mit dem Frontaufsatz samt den Säulen von 1570) und wird im Sinne der Gründung für die Armen genutzt. Unter anderem begründen sich die Altenhilfe St. Jakob und die Armenhilfe St. Jakob auf diese ehemalige Pilgerunterkunft.

Weidenhäuser Straße 50